Frauenquote? Ein klares JEIN!

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Bildschirmfoto 2014-08-06 um 13.44.48Was für ein Thema! Es herrscht überall und nirgendwo. Seit Wochen laufe ich mit dem Blogbeitrag im Kopf herum und habe das sichere Gefühl, dass das wohl eine Fortsetzungsgeschichte (hoffentlich nicht -roman) wird. Ich kann gar nicht alles auf einmal aufschreiben, was mir dazu durch den Kopf geht. Das Thema ist ein Prozess, bei mir, jeder/m Einzelnen und der Gesellschaft.

Die Frage “Bin ich dafür oder bin ich dagegen?” kann ich mit einem selbstbewussten Jein beantworten ;-). Die Frauenquote in Führungspositionen ist zu niedrig. Mit 21,5 % in Deutschland weit von der Ausgewogenheit entfernt. Analog kann man über Gründungen denken, auch hier gibt es einfach viel zu wenig Frauen. Aber bleiben wir mal bei der Quote in Führungspositionen.

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Quelle: EU

Es gibt eine Menge Gründe für die Quote, denn ohne Quote bewegt sich nichts. Das sieht man auch schön auf der Grafik.

Es gibt viele Gründe dafür, das kann ich nur bestätigen. Wie viele Männerseilschaften begegnen mir. Je mehr ich drauf achte, desto mehr sehe ich. Auch ne Menge neue Netzwerke, Beiräte oder wie auch immer sie sich nennen, werden fast komplett männlich besetzt. Oftmals, weil sie von einem Mann aufgebaut werden. Obwohl man meinen sollte, die Welt draußen hat begonnen, sich zu bewegen. Alle Netzwerke sind sicher gut gemeint – zumindest für die Jungs untereinander – aber doch so kurz gedacht. Oder gar nicht bedacht. Gerade wieder kam eine Anfrage rein, ob ich eine Konferenz unterstütze. Auch sehr süß: der Organisator verrät mir nicht, was er damit meint. Vortrag? Sponsorship? Vermutlich letzteres, aber dann soll er das bitte auch klar sagen! Er schreibt mir die Liste der bisherigen Redner. Und siehe da, es sind die üblichen Verdächtigen! Alles Männer, wie der Veranstalter schreibt präsent in “Funk und Fernsehen”. Na Mädels: wieder mal nicht schnell genug HIER geschrieen, als die Anfrage kam oder die Herren Kollegen auf die Bühne vorgeschickt (typisch weiblich übrigens)?! Dass genau diese Herren im Programm in gleichen Ämtern sitzen wie Frau, wird übersehen. Oder Frau hat nicht genug “gedroht und imponiert”, sich nicht genug in den Vordergrund gestellt. Das wird sie auch nicht, denn Frauen gehen einen vollkommen anderen Weg. Das  Drohen und Imponieren ist ihnen zu blöd. Ihr kennt die Grundlage meiner Überzeugung ja bereits. Da sie wieder, die Evolutionsbiologie!

Es sind die leisen Stimmen, die natürlich nicht oder viel zu selten auf der Center Stage einer Konferenz stehen (obige Konferenz war “zum Glück” nur ein kleines Licht, die Antwort meines Gesprächspartners steht noch aus. Ich hab ihm empfohlen sich mal mit den Gründerinnen auf seiner Gründerkonferenz zu beschäftigten!). Es gibt tolle Initiativen wie z.B. speakerinnen.org, die Frauen als Rednerinnen sichtbar machen wollen oder Pro Quote, die für mehr Frauen in der Führung von Medienunternehmen kämpfen und wunderbar sichtbar machen was sich tut – oder nicht. Ach, es gibt so viele Initiativen. Und sie bewirken, dass ein Diskurs dazu statt findet, die Diskussion öffentlich wird. Das ist gut so und dazu ist auch das Thema Frauenquote gut, denn es eckt an, wie jede Quotendiskussion. Sie muss geführt werden, damit sich was bewegt und vielleicht brauchen wir an mehr Stellen als nur die Aufsichtsräte der DAX-Unternehmen tatsächlich eine Quote. Fix, nicht nur Selbstverpflichtungen?!

Und da sind wir schon bei den Gründen gegen die Quote. Meine Haltung ist generell sehr liberal. Ich mag es, wenn die Markt”mächte” selber Angebot und Nachfrage regeln können. So müsste es dann auch mit dem Angebot an Führungskräften im Markt sein, egal ob Mann oder Frau. Oder der Besetzung auf der Konferenz, oder in wichtigen Gremien, politisch oder wirtschaftlich. Das wäre ein Traum. Wir alle wissen (und sehen es in der EU-Grafik), dass das leider nicht funktioniert und deshalb die Quote überhaupt erst zur Diskussion kommt. Auch wenn ich den Begriff der Seilschaften nicht schön finde, so ist er Realität – auch oder insbesondere bei der Besetzung von Teams. Auch und insbesondere in Führungsetagen wo aus vielen ausgesprochenen (Auszeiten für Kinder, Teilzeitwunsch, …) und vermutlich noch mehr unausgesprochenen Gründen eben kaum Frauen sitzen. Der Grund, der mich bei Diskussionen zur Quote aber an die Decke springen lässt ist das Thema “Qualifikation”. So wird doch regelmäßig angeführt, dass ja bei einer Quote dann auch Frauen eingestellt werden müssten (!), die nicht der Qualifikation des männlichen Bewerbers entsprechen. Und das habe ich nicht nur aus plauderlaunigem Männermund gehört sondern das haben auch schon hochrangige Damen in Wirtschaftsunternehmen als ernstzunehmenden Diskussionsstoff eingebracht. Als wäre das zentrale Debatte, die es zur Quote zu führen gilt.

Die Frage, die ich mir stelle ist “Was ist denn genau Qualifikation”? Sind wir da nicht gleich wieder beim Thema “Mein Abschluss an der Eliteuni, meine Posten, meine Fernsehauftritte?” :-O. Eine Art selbstreferentielles System, das sich selbst bestätigt. Je mehr Medaillen ich mir an die Brust hefte, desto wichtiger bin ich? Seht her, ich bin geeignet! Hahnenkampf!?! Und auch wenn wir Anlass für viele Medaillen haben, so heften wir Frauen uns die halt nicht protzig an (schon gar nicht an die Brust)?! Nicht umsonst holen Unternehmen in schwierigen Zeiten Frauen in die Führung (s. Glasklippe). Da sind andere Kompetenzen gefragt. Weniger eigenes Ego in den Vordergrund, sondern Konsens zwischen den Beteiligten schaffen. Es sind besonders auch die Social Skills, die Frauen so wichtig machen in Führungsetagen. Nur, dass es dafür keine Medaillen und kaum (oder keine?) Aufmerksamkeit gibt – nicht mal mehr in Schulzeugnissen vielerorts werden die Softskills verzeichnet. Weil auch die Schulen sich schon früh auf die “knallharten Fakten” konzentrieren. In der öffentlichen Diskussion nennt sich das dann Leistungsgesellschaft und meint die Beschränkung auf Mathe, Deutsch und den klassischen Standardkanon an denen unsere Potentiale der Zukunft gemessen werden. Wie wäre es mit schwer messbaren Faktoren wie Verantwortungsbereitschaft, Integrität oder Kommunikationsfähigkeit beispielsweise als vergleichbare Qualifikation? Sehr schwer! Da müsste man auch ein Stück weit auf die Intuition und das Bauchgefühl hören – da wären Frauen übrigens sehr stark. Schwer zu rechtfertigen, vor dem Aufsichtsgremium oder wem auch immer ich Rechenschaft schuldig bin. Da ist es doch viel einfacher Medaillen zu zeigen und zu sagen “Sieh, der Kandidat hat´s drauf!”. Medaillen kann man zählen, weiche Faktoren oder die leise Stimme der Frau nicht. Die Qualifikation zeigt sich dann im Einsatz. Es gibt etliche Studien, die zeigen dass Mixed Teams den größten Erfolg bringen. Und da müssen wir hin, 50:50, auf Führungsetagen und in anderen Gremien, die etwas bewegen sollen in dieser (Wirtschafts-)Welt.

Was also, wenn Frau nicht mit zig Medaillen dekoriert sein aber was werden will? Quote: ja oder nein?

Schwierige Frage, oder? Mein JEIN besteht mehr aus Ja als Nein, weil ich sehr hoffe, dass ein umdenken an oberster Stelle stattfindet und weil mich Statistiken überzeugen. Wenn die Herren, die bislang gewohnt sind ihre Netzwerke zu pflegen, vielleicht feststellen wie angenehm es sein kann, die weiblichen Kompetenzen an Bord zu haben, brauchen sie womöglich die Quote nicht mehr. Aber die Erfahrung durften bislang ja nur wenige machen und die Diskussion auf dem Weg zu mehr Frauen hält sich an den lustigsten Themen auf. Es ist ein weiter Weg, aber es lohnt, ihn anzupacken.

 

 

 

 

Andera Gadeib

Autor: Andera Gadeib

Andera Gadeib ist passionierte Digital-Unternehmerin und Serial Entrepreneur. Ihre Mission ist eine fortschrittlichere Bildung für mehr Selbstwirksamkeit und frühe Computer-Bildung sowie die Motivation von Frauen, ihr eigenes Digital-Business zu starten.

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