AepfelBirnen

TRUDY spinnt … über Risiken für Unternehmen mit Männern in Führungspositionen

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Eine Schlagzeile aus dem Handelsblatt vom 20.11.2014 macht gerade aufsehenerregend die Runde „Frauen in Führungspositionen anfälliger für Depressionen“.

Oh je, sollte uns das nicht zu denken geben? Na klar! Wir fragen uns natürlich: Müssen wir nicht ab sofort junge Frauen warnen und im Interesse ihrer Gesundheit davon abhalten, sich für eine Führungsposition zu entscheiden?

Nicht nötig, meine ich, denn eine solche Schlagzeile wirkt abschreckend genug. Und alle, die bisher ablehnen, Frauen Führungspositionen zu übertragen, erhalten mit diesem Wasserfall auf ihre Mühlen ohnehin neuen Schwung.

Als langjährige Führungskraft und Unternehmerin komme ich ins Grübeln: Bin ich nur eine exotische Ausnahme, die seit Jahrzehnten am eigenen Leib erlebt, dass verantwortungsvolle Arbeit nicht depressiv macht, sondern sogar vor Depressionen schützt? Als Investorin stelle ich mir angesichts dieser Schlagzeile aber auch die Frage nach den Risiken eines Investments in Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen. Muss man doch ernst nehmen. Hab ich. Und deshalb hab ich mal ein wenig recherchiert und bin nur 2 x zwei Klicks im Internet fündig geworden:

In der erwähnten Studie wurde die Wirkung von Jobautorität auf Veränderungen depressiver Symptome bei weißen Frauen und Männern untersucht. Man fand heraus,

1. dass Frauen mit Jobautorität (control over other’s work) mehr depressive Symptome zeigten als Frauen ohne Jobautorität,

2. dass Männer mit Jobautorität insgesamt weniger depressiv waren als Männer ohne,

3. dass Frauen im Vergleich zu Männern depressiver waren, wovon wiederum die Frauen in Jobautorität signifikant depressiver waren als Frauen ohne.

Laut Handelsblatt waren die untersuchten 1.500 Frauen und 1.300 Männer aus dem US-Bundesstaat Wisconsin und so um die 40 Jahre alt. Mehr erfahren wir nicht und so scheint die Schlagzeile im Handelsblatt völlig ok, nicht wahr?

Nein, nicht wahr! Denn im Abstract der Studie sind weitere wichtige Fakten enthalten, die uns das Handelsblatt nicht richtig vermittelt oder verschweigt: Die Untersuchten waren nicht etwa 40 Jahre alt, sondern 54, demnach also Jahrgang 1939, sind heute also 75 Jahre alt. Und die Veränderungen depressiver Symptome bei ihnen wurden in den Jahren 1993 bis 2004. Die untersuchten Frauen und Männer waren also vor 20 (!) Jahren in Führungsverantwortung und diese Frauen zeigten in den elf Jahren danach mehr depressive Symptome als Männer. Wundert das irgendjemanden, der sich die Lebenswirklichkeit von Frauen vor 20 Jahren in Wisconsin vor Augen führt? Mich nicht.

Was mich dagegen sehr wundert ist die Tatsache, dass das Handelsblatt angesichts dieser Fakten veröffentlicht: Frauen (welche?) in Führungspositionen sind (heute?) einer US-Studie zufolge anfälliger für Depressionen (?) als ihre männlichen Kollegen.“ Fragen also ans Handelsblatt: Warum verschweigt Ihr uns die Fakten? Oder habt Ihr gar nichts recherchiert? Warum fragt Ihr Euch z. B. nicht auch, was eigentlich als „depressive Symptome“ bei Frauen im Unterschied zu Männern diagnostiziert wird? Wenn wir Leser uns die Fakten erst selbst recherchieren müssen, wollt Ihr Euch überflüssig machen? Schlagzeilen wie diese gibt’s schließlich z. B. auch bei Twitter zu lesen…

Ja, es ist eine Tatsache, dass Frauen doppelt so häufig an sogenannten „depressiven Symptomen“ erkranken. Wieder nur zwei Klicks im Internet und man weiß, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden.

„Die Depressionen männlicher Patienten können sich auch ganz anders äußern“, erklärt die Oberärztin des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie“ (Elisabeth Fries), „und werden darum oft nicht als solche erkannt.“ Inzwischen hat sich das Konzept der „male depression“ etabliert. Es geht davon aus, dass bei Männern extreme Stresssymptome die klassischen depressiven Symptome kompensieren beziehungsweise überdecken. Dazu gehören Aggressivität und der Griff zu Alkohol. Da diese nicht als Depressionssymptome gelten, werden sie allerdings auch nicht in der üblichen Depressionsdiagnostik berücksichtigt. Es stimmt, dass Männer öfter Suizid begehen. Allerdings gibt es mehr Selbsttötungsversuche von Frauen. Da Männer aber zu drastischeren Mitteln wie Erschießen oder Erhängen greifen, sind ihre Suizidraten höher. Frauen dagegen nehmen häufiger Medikamente und können rechtzeitig gerettet werden.

Liebe Investoren, Vorsicht also! Ein Investment in Unternehmen mit Männern in Führungspositionen könnte angesichts der höheren Suizidrate bei Männern demnach sogar riskanter sein als ein Investment in Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen. Die eventuell bei Frauen in Führung häufiger auftretenden depressiven Symptome (was aber erst noch aktuell zu untersuchen wäre) haben schließlich nicht so häufig tödliche Konsequenzen…

Fröhliches Weiterspinnen… wünscht euch Karina & die Aachen School of Innovation

Karina Radach

Autor: Karina Radach

Diesen Gastbeitrag hat Karina Radach gesponnen. Sie ist leidenschaftliche Querdenkerin, Unternehmerin, Dozentin, Mentorin für Startups und unterstützt Unternehmen, sich zu erneuern. Ihr jüngstes Baby ist die Aachen School of Innovation.

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